Vergebung als Tugend der Heilung

26.12.2025 – Beitrag von Darius Waldhof
Lesedauer ca. 8 Minuten

Vergebung als Tugend
der Heilung

26.12.2025
Beitrag von Darius Waldhof

Lesedauer ca. 8 Minuten

Die tiefsten Verletzungen, die wir Menschen in uns tragen, sind Verletzung aus der eigenen Kindheit. Als kleines Kind waren wir dem Einfluss der Erwachsenen komplett ausgeliefert. Die Verhaltensmuster von Vater und Mutter in den ersten Monaten und Jahren unseres Lebens haben einen entscheidenden Einfluss auf den weiteren Verlauf unseres Lebens. Sind in dieser Zeit emotionale Verletzungen entstanden, tragen wir sie solange in uns, bis der Wunsch nach Heilung spürbar wird.

Die Aussöhnung mit den eigenen Eltern, die Versöhnung mit ihren Taten,
an die wir uns oft bewusst nicht mal erinnern können,
ist eine der größten Vergebungen, die ein Mensch leisten kann.

Die Aussöhnung mit den eigenen Eltern, die Versöhnung mit ihren Taten, an die wir uns oft bewusst nicht mal erinnern können, ist eine der größten Vergebungen, die ein Mensch leisten kann.

Die Vergebung beginnt mit dem Wunsch nach innerem und äußerem Frieden. Der Gegenstand der Vergebung ist immer eine innere Verletzung, eine Wunde, die ein Mensch in sich trägt. In der Kindheit ist diese Verletzung durch Handlungen der Mutter und/oder des Vaters entstanden. Diese Handlungen können körperlicher oder emotionaler Art gewesen sein. Zum Beispiel sagt eine Mutter wiederholt zu ihrem Kind: „Aus dir wird nie was.“ Das Kind trägt diese Worte als tiefe Wunde der Wertlosigkeit in sich und glaubt später, es sei wertlos. Wenn dieses erwachsene Kind irgendwann vergibt, heißt das nicht, dass die Worte der Mutter „okay“ waren, sondern dass es inneren Frieden sucht und die Macht dieser Sätze über sein Leben loslassen möchte. Es entscheidet sich, die alte Abwertung nicht länger zu glauben und fängt an, sich selbst anzunehmen. Ein anderes Kind wird von seinem Vater geschlagen. Jahre später trägt das erwachsene Kind Angst, Wut und vielleicht sogar Hass in sich. Bei der Vergebung solcher Kränkungen ist es wichtig zu verstehen, dass die „Täter“ auch nur so gehandelt haben, wie sie selber in ihrer Vergangenheit behandelt und verletzt wurden. Sie konnten aufgrund ihrer eigenen Wunden nicht anders handeln. Man könnte fast sagen, ihre Wunde hat durch sie hindurch gehandelt. Vergebung kann hier bedeuten: Das erwachsene Kind erkennt, dass der Vater selbst in seiner Kindheit Gewalt erlebt hat und nie gelernt hat, anders mit Wut umzugehen. Es versteht den Hintergrund seines Vaters, ohne die Gewalt zu entschuldigen und löst sich innerlich von der Opferrolle.

Innere Wunden, wenn sie nicht geheilt werden,
können energetisch von Mensch zu Mensch,
von Generation zu Generation
weitergegeben werden.

Innere Wunden, wenn sie nicht geheilt werden, können energetisch von Mensch zu Mensch, von Generation zu Generation weitergegeben werden.

Jede Generation, jeder Mensch ist gefragt: Möchte ich diese Wunde in mir weiter tragen, sie an die nächste Generation vererben oder bin ich bereit, mich mit dem Thema dieser Wunde auseinanderzusetzen und sie zu heilen?

Ein Großvater erlebt Kriegstrauma und behandelt seinen Sohn (den späteren Vater eigener Kinder) mit harter Hand, ohne Zuneigung zu zeigen. Der Vater wiederholt das Muster und ist emotional „kalt“ und distanziert zu seinen eigenen Kindern. Und so wandert die „emotionale Kälte“ vom Großvater über den Sohn (später Vater) zum Enkel weiter, bis eine Generation die Musterkette bricht. Generationswunden können mehrere Generationen „alt“ sein. Der Hintergrund ihrer Entstehung ist den Betroffen oft nicht bekannt. Aber im Leben geschieht nichts zufällig. Somit muss auf irgendeiner Ebene auch das „Opfer“ der Tat zugestimmt haben. Das gilt es, in der Heilung zu akzeptieren, obwohl das manchmal sehr schwer fällt. In diesem Zusammenhang bedeutet Vergebung, die volle Verantwortung für die Situation und die Entstehung der Verletzung zu übernehmen, obwohl der „historische“ Hintergrund unklar ist. Im oberen Beispiel, beginnt die Heilung, wenn das erwachsene Kind (der Enkel) erkennt: „Ich will diese emotionale Kälte in mir lösen und an die Urenkel der Familie nicht weitervererben.“ Es setzt sich damit auseinander, z.B. in einer Therapie und bricht den Kreislauf, indem es selbst Liebe und Nähe zulässt.

Vergebung bedeutet,
alten Schmerz loszulassen.

Vergebung bedeutet,
alten Schmerz loszulassen.

Vergebung bedeutet auch Loslassen. An manchen destruktiven Verhaltensmustern hängen Menschen fest, weil sie bewusst oder unbewusst darin noch einen Vorteil für sich sehen. Erkennt der betroffene Mensch das destruktive Muster, ist die innere Bereitschaft zum Loslassen ein wichtiger Schritt.

Ein Mann klammert sich an Groll gegenüber seiner Ex-Partnerin, weil er unbewusst darin einen „Vorteil“ sieht: Er rechtfertigt sein eigenes Vermeiden von Intimität („Besser allein sein, als wieder verletzt zu werden“). Wenn er das Muster erkennt und sich für das Loslassen entscheidet, entsteht Freiheit: Er öffnet sich für neue Beziehungen, ohne den alten Schmerz als Schutzschild zu nutzen.

Vergebung bedeutet auch Befreiung von innerem Groll, Zorn und Verbitterung. Sie bedeutet auch die Überwindung des inneren Widerstands, vergeben zu wollen. Innere Verbitterung und Groll blockieren den Fluss des Lebens.

Trotz des Wissens darüber fällt die Vergebung von Mensch zu Mensch oft sehr schwer. Die Verletzungen kamen „vom Außen“ und viele suchen auch die Lösung „im Außen“. So funktioniert Vergebung aber nicht. Diese „unüberbrückbare Brücke“ kann jedoch überwunden werden, wenn wir die „menschliche Ebene“ verlassen und unserer inneren Weisheit erlauben, zu verzeihen.

Die innere Weisheit spricht:

Was auch immer in meinem Leben passiert ist, es ist passiert, denn meine Seele wollte diese menschlichen Erfahrungen machen. Mal war ich „Opfer“, mal war ich „Täter“. Das Wissen darüber, dass im Leben alles der Zustimmung aller Beteiligten bedarf, hilft mir, jede meiner Erfahrungen zu akzeptieren und daraus zu lernen. Nach schmerzlichen Erfahrungen entscheide ich mich, den Schmerz loszulassen, die entstandenen Wunden zu heilen und am Ende für jede Erfahrung dankbar zu sein!

Seminar – „Familienaufstellung mit Herz

Seminar – „Glaubenssätze erkennen und verändern

Seminar – „Erfüllte Elternschaft

Über den Autor Darius Waldhof

Darius ist ein Bewusstseinsforscher, Wahrheitsfinder und Impulsgeber für ein friedvolles Miteinander. Er hat die Gabe, aus komplexen Situationen die Kernbotschaft wahrzunehmen und sie in prägnanter Form zu benennen. Darius hat ein gut ausgeprägtes Gespür für die verborgenen und aktiven Muster, die in zwischenmenschlichen Beziehungen wirken. In seiner Arbeit unterstützt er Menschen in ihren persönlichen, familiären und beruflichen Wandlungsprozessen. In globalen und gesellschaftlichen Fragen ist es ihm ein großes Anliegen, die Verdrehungen, die die Menschheit in sich trägt, zu benennen und Lösungen aufzuzeigen. Die Findung der eigenen Wahrheit, der Weg des Herzens und die Bewusstseinsarbeit im Miteinander ist seine Vision für die aktuelle und kommende Zeit.